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Titelgeschichte

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Als Sklavin in Italien – das Schicksal von Adelina


Adelina hilft Prostituierten in Italien beim Ausstieg. Bild: zvg.

Adelina entrann ihren Peinigern aus dem Sexmilieiu. Nun hilft sie anderen Frauen.

 

Adrienne Suvada

Sobald man aus dem Stadtzentrum Roms hinaus in die Peripherie fährt, bemerkt man sie. An jeder Strassenecke stehen zahlreiche Mädchen, die gezwungen sind, ihre Körper zu verkaufen. Sie stellen für viele ein Problem dar. Besonders die angrenzenden Einwohner beschweren sich ständig über den nächtlichen Verkehr und die oft zwielichtige Kundschaft. Es wird auch in der Politik viel darüber diskutiert, wie man dieses Problem beseitigen könnte, doch selten nimmt sich jemand der Mädchen und ihrer Geschichte an. Fast keine tut diesen Dienst freiwillig, sie werden unter unmenschlichen Bedingungen zu dieser Arbeit gedrängt. Stellvertretend für diese Mädchen soll hier die Geschichte von Adelina (richtiger Name der Redaktion bekannt) erzählt werden.

Verschleppt, misshandelt und bedroht

Adelina wurde in Albanien geboren und führte dort ein relativ normales Leben. Schon früh jedoch wurde sie Opfer von häuslicher Gewalt, konnte aber niemanden um Hilfe bitten, da sich die Polizei oft noch schlimmer verhielt. Wie so viele träumte auch Adelina von einem besseren Leben, doch die Chancen standen nicht sehr gut. Eines Tages wurde sie auf offener Strasse von einer kriminellen Schlepperbande gekidnappt und nach Italien verschleppt. Das Ziel der Männer war, sie zur Prostitution zu zwingen.
Gleich nachdem Adelina in Italien angekommen war, musste sie sofort auf die Strasse und die Kundschaft befriedigen. Sie stand dabei unter ständiger Aufsicht, und es gab keine Möglichkeit zur Flucht. Ausserdem wurde sie in ihrer Unterkunft bedroht und auch misshandelt. Die Täter vergewaltigten sie mehrmals am Tag und gingen sogar so weit, brennende Zigaretten auf ihrer Brust auszudrücken. Einmal fügten sie ihr mit einem Messer eine tiefe Schnittwunde am Bein zu und streuten Salz darauf, um sie noch mehr einzuschüchtern. Die Männer erzählten ihr, im Falle einer Flucht, würden sie eine Bombe auf ihr Haus in Albanien werfen und die ganze Familie umbringen.

Die Befreiung

Der Gedanke, Hilfe zu suchen, war trotzdem immer da. Adelina dachte aber nicht daran, die Polizei zu informieren. Sie hatte noch das Bild der albanischen Polizei im Kopf, die sie ebenfalls einmal vergewaltigt hatte, und traute deshalb den italienischen Behörden nicht. Nach und nach bemerkte die junge Frau aber, dass sie vielleicht doch das Risiko eingehen sollte, die Polizei zu rufen. Eines Tages rief sie die Notrufnummer 113 der Carabinieri an, die dann sofort mit einem Grossaufgebot ausrückten und sie von ihren Peinigern befreiten. «Dank den italienischen Behörden habe ich dann endlich meine verloren geglaubte Würde als Frau wiedergefunden», sagt Adelina heute. Für sie repräsentieren die Carabinieri und die italienische Polizei nicht nur ihre Retter, sie sind mittlerweile so etwas wie ihre Familie geworden.
Nach der Befreiung wurde Adelina in ein spezielles Aufnahmezentrum gebracht, wo sie rund um die Uhr beschützt wurde. Die Gefahr war nämlich gross, dass ihre früheren Peiniger sie umbringen wollten. Adelina liess sich davon aber nicht einschüchtern und erstattete sogar Anzeige. Etwas, das die wenigsten Mädchen machen. Dank dieser Anzeige gelang es den Carabinieri, eine ganze kriminelle Organisation aufzudecken und hinter Gitter zu bringen. Rund 40 Mitglieder wurden verhaftet und 10 Mädchen befreit. Bis heute half Adelina, in Zusammenarbeit mit den Behörden, zahlreichen anderen Mädchen, sich zu befreien.

Der Glaube zu überleben

Gemäss Adelina sei es wichtig, in einem solchen schrecklichen Umfeld nie zu resignieren. Die grösste Hilfe für sie persönlich war ihr Glaube. Adelina war früher Muslima, hat sich aber in Italien zum katholischen Glauben bekehrt. Der Grund für diese Wandlung war die Tatsache, dass sie Gott nie verlassen hätte. Sie hätte auch durch die Mitglieder der Polizei den christlichen Glauben entdeckt. «Mit ihrer Aufmerksamkeit, die sie mir gegenüber zeigten, haben sie mir die Liebe Gottes näher gebracht, so dass ich mich schon bald dazu entschloss, in die Katholische Kirche einzutreten», meint Adelina. Sie betont aber, dass das ihr freier Entschluss gewesen sei und dass ihr dieser Schritt sehr geholfen habe.

Keine Prostituierten aufsuchen

Heute führt Adelina in Italien ein Zentrum, um den Mädchen mit dem gleichen Schicksal zu helfen. Sie plant auch eine Stiftung zu gründen und ein Haus zu erwerben, um die Mädchen dort aufnehmen zu können. Durch ihre unermüdliche Arbeit ist mittlerweile auch der italienische Fernsehsender Italia 1 auf sie aufmerksam worden und ist dabei, einen Film über ihre Geschichte zu drehen, der in ein paar Monaten ausgestrahlt werden soll. Auf die Frage, was man denn machen könnte, um solche Fälle wie den ihren zu verhindern, antwortet Adelina: «Es gibt nur eine Sache, was die Männer weltweit machen können, sie sollen nämlich sofort auf bezahlten Sex verzichten. Liebe kann man nicht kaufen, sie muss über andere Wege gefunden werden. Nur so kann man diese Sklavinnen befreien, denn die Sklaverei existiert auch heute noch…» Was die Politik betrifft, so bittet Adelina die Politiker um eine härtere Gesetzgebung, «denn wenn ein Sklavenhändler weiss, dass er viele Jahre im Gefängnis verbringen muss, überlegt er es sich vielleicht zweimal, eine Adelina zu kidnappen».
 
Wer mehr über Adelina erfahren möchte, kann ihre Homepage besuchen: www.adelina113.altervista.org; oder sie direkt per Mail kontaktieren (am besten auf Italienisch): adelina.113@tiscali.it.

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